Vor ein paar Tagen platzte mir ein bisschen die Hutschnur. Ich musste feststellen, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die hinter Krankheiten einen Sinn sehen. Es fing damit an, dass ich auf Facebook einen Beitrag las, in dem es um Frauen in Schweden ging, die nach einer erfolgreichen Gebärmuttertransplantation schwanger geworden sind und gesunde Kinder zur Welt gebracht hatten. Die Methode ist (noch) nicht sehr erprobt und auch höchst kompliziert, es steht auch nicht fest, ob sich das jemals etablieren wird. Im weiteren Verlauf ging es ganz allgemein um ungewollte Kinderlosigkeit, Möglichkeiten der Behandlung in Deutschland und anderen Ländern. Es wurden auch mehrere Betroffene dazu befragt, wovon eine Frau erzählte, dass sie inzwischen auch über eine Leihmutterschaft nachdenken, obwohl sie wissen, dass das eine ziemlich heikle Sache ist, da die Leihmütter oft auf das Geld angewiesen sind und das natürlich nicht aus reiner Nächstenliebe machen. Diesen Aspekt kann ich durchaus nachvollziehen, weshalb für mich persönlich eine Leihmutterschaft auch nicht in Frage kommen würde. Grundsätzlich kann ich aber Paare verstehen, die diesen Weg gehen. Es ist ja keine Entscheidung, die man von heute auf morgen trifft und meist ist die Verzweiflung an diesem Punkt schon so groß, dass man wohl mehr an sich selbst und den eigenen Kinderwunsch denkt, als an die Lebensumstände der Frau, die das Kind austrägt. Wenn man möchte, kann man sich diesen Aspekt ja sogar noch schön reden. So weit, so gut (oder schlecht).
Ich hätte nach dem Lesen einfach wieder wegklicken sollen. Wirklich. Ich weiß genau, wie sehr mich Kommentarspalten im Internet zum Kochen bringen können. Tja, dumm gelaufen.
"Man sollte Gott nicht ins Handwerk pfuschen!"
"Es hat schon seinen Sinn, wenn jemand keine Kinder bekommen kann!"
"Man muss nicht alles machen, was technisch möglich ist!"
"Die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben!"
"Kinderlosigkeit ist keine Krankheit!"
"Sollen sie doch lieber adoptieren!"
"Es hat schon seinen Sinn!"
"Es hat schon seinen Sinn!"
"Es hat schon seinen Sinn!"
Die Zitate sind fast wortgetreu, ich möchte nicht noch einmal auf die besagte Kommentarspalte gehen, nur um wortgenau zu zitieren. Mir geht jetzt schon wieder der Puls hoch. Ich kann ja durchaus verstehen, dass man manchen medizinischen Eingriffen kritisch gegenübersteht und letztendlich darf ja jeder für sich entscheiden, ob er eine Behandlung machen lassen möchte, oder nicht. Aber zu behaupten, die Natur hätte sich schon irgendwas dabei gedacht und dass das alles einen Sinn hat hat, das hat mich so wütend gemacht, dass ich dazu selbst etwas schreiben musste. Wirklich, ich war sachlich und ich habe argumentiert und ich habe erklärt und gemacht und getan, einfach um auch nur einen Funken Empathie bei diesen Menschen zu erzeugen - es war nichts zu machen! Ich musste mir weiterhin sagen lassen, ich wäre nicht krank und meine Nichtkrankheit hätte einen Sinn.
NEIN, ES HAT EBEN KEINEN SINN! Genauso wenig, wie Pfeiffersches Drüsenfieber Sinn hat, Kurzsichtigkeit, Masern und Fußpilz, ganz zu schweigen von anderen, viel schlimmeren Krankheiten. Wenn überhaupt, dann darf doch bitte jeder Betroffene für sich selbst entscheiden, ob er in seiner Krankheit einen Sinn sieht. Bei manchen Menschen funktioniert das ja tatsächlich, als Schritt zum Akzeptieren.
Und sorry, wenn ich jetzt jemanden enttäuschen muss, aber die Natur denkt nicht! Dazu bräuchte sie zumindest ein Gehirn und ich wüsste nicht, dass sie irgendwo eins hat. Was soll sie auch denken? "Pffff, die Frau wird eh mal eine schlechte Mutter, ich lass die Gebärmutter lieber gleich weg!" oder "Ach, erspar ich ihm doch einfach den Stress, den er in der Pubertät mit seinem Kind haben wird und mach seine Spermien ganz furchtbar langsam und ohne jeglichen Orientierungssinn!"
Ich verstehe zum Beispiel auch nicht, warum manche sich ihre Lippen aufspritzen, oder sich irgendwo Silikonteile einbauen lassen. Aber wenn sie sich damit besser fühlen, dann bitteschön! Ich muss auch nicht alles nachvollziehen können, aber ich verlange einfach ein Mindestmaß an Akzeptanz für solche Entscheidungen, erst recht, wenn ich selbst nicht betroffen bin und den eventuellen Leidensweg überhaupt nicht einschätzen kann.
Mir wurde dann noch vorgehalten, ich würde jetzt doch sehr emotional reagieren, vielleicht wäre es besser, ich würde zu dem Thema gar nicht mehr schreiben. Das war dann der Moment in dem ich mit dem Kopf auf die Tischplatte hauen wollte. Das Betroffene aber auch immer so emotional reagieren müssen, also ehrlich! (Im Übrigen fand ich mich zu dem Zeitpunkt wirklich noch sehr sachlich, für die vielen Dinge die ich mir im Diskussionsverlauf schon anhören musste. Innerlich stapelten sich schon die Schimpfwörter, um sich gegenseitig zu übertrumpfen.)
So richtig weiß ich nicht, warum ich das jetzt hier nochmal so wiedergebe, wahrscheinlich musste es raus, falls sich doch mal einer der "es hat seinen Sinn"-Fraktion hierher verirrt. Und ich gebe auch zu, dass es mich wirklich beschäftigt hat in den letzten Tagen, auch wenn ich seit vorgestern nicht mehr auf diese Seite gegangen bin. Als ich das letzte Mal dort war, hatte eine besonders hartnäckige Dame nämlich ihren Kommentar gelöscht und damit meine komplette Argumentation auf ihren Schwachsinn, der damit endete, dass sie mir ihre Argumente nicht nennen wollte, da sie dafür zu empathisch wäre. Immerhin, die Lacher hätte sie damit auf ihrer Seite gehabt!
Montag, 27. April 2015
Mal ganz allgemein - ein Auskotzpost
Mittwoch, 22. April 2015
Ob wir noch Freunde werden?
Bisher sind das Schwangersein und ich keine Freunde. Im Gegenteil. Es ärgert mich und ich kann es nicht leiden. Und manchmal hasse ich es sogar! Jaja, ich weiß schon, ich wollte es doch so lange und ich sollte doch jetzt bitteschön gefälligst total glücklich sein und es genießen! Ich kann aber nicht. Ich hab Angst! Nicht etwa davor, dass ich als Mutter versagen könnte, oder ich das alles gar nicht schaffe mit einem Kind. Ich habe Angst davor, dass das Kind gar nicht kommt. Dass es jetzt in diesem Augenblick, in dem ich mir einbilde schwanger zu sein, schon gar nicht mehr lebt. Dabei war vor 10 Tagen alles gut. Es war zeitgerecht entwickelt, das Herzchen schlug nach wie vor und es gab keinen Grund zur Sorge. Für die Ärztin. Für mich schon, denn es bewegte sich nicht und ich hatte doch irgendwo (also überall) gelesen, dass es sich jetzt schon ganz "fleißig bewegt" und man das auch auf dem Ultraschall erkennen kann. Schon klar, es hat bestimmt, ganz die Mutter, gerade geschlafen und wichtig ist ja erstmal der Herzschlag. Aber das ist jetzt auch schon wieder über eine Woche her und woher weiß ich denn, dass es dem Minimensch immer noch gut geht?
Heute in einer Woche ist die 12. Woche rum. Das war für mich eigentlich ein Etappenziel, ein Punkt an dem ich endlich das erste Mal laut aufatmen kann. Ich hab nur nicht dran gedacht, dass es ab da noch zwei weitere Wochen dauern wird, bis zur nächsten Untersuchung. Dazu kommt, dass ich gerade dabei bin meine Medikamente auszuschleichen. Das Progestan/Utrogest hab ich schon runtergefahren von 3x2 auf 1x1 und das Prednisolon (=Kortison) von einer anderthalben auf eine halbe Tablette am Tag. Bisher konnte ich noch keine körperliche Reaktion darauf feststellen. Aber das Absetzen vom Utrogest ist für mich bisher immer mit einer Blutung verbunden gewesen. Ist ja auch logisch, wenn es nicht geklappt hat, setzt man es ab und bekommt seine Regel. Eigentlich ist es Zeit diese Assoziation loszuwerden!
Mal ganz objektiv betrachtet, hab ich eigentlich keinen Grund zur Panik. Ich habe keine Blutungen und auch keine schlimmen Krämpfe. Der letzte Ultraschall war unauffällig und alles gut entwickelt. Ich habe sämtliche Schwangerschaftsbeschwerden, die man nur haben kann: mir ist schlecht, ich bin aufgebläht bis zum Magen, nachts bin ich unheimlich warm, um nicht zu sagen heiß, mein Ischiasnerv nervt, mein Dekolleté pickelt lustig vor sich hin, vier mal die Woche ein Heulkrampf ist auf jeden Fall drin und meine Brüste sind noch groß, wenn sie auch nicht mehr weh tun.
Nur leider hat eine Schwangerschaft ganz wenig mit Objektivität zu tun und die Hormone tun ihr Bestes, einen noch zusätzlich zu verwirren. Ein bisschen fühlt es sich an, als wäre man fremdgesteuert. Es ist dämlich, aber ich bin seit einer Woche auf der Suche nach einem guten Grund, vor unserem Berlinurlaub in zwei Wochen, nochmal zum Arzt gehen zu können. Es gibt keinen, was ja auch gut so ist. Aber wenn es doch nur ein kleines Brennen beim Wasserlassen gäbe, dann müsste ich ja zum Arzt und wenn ich schon einmal dort wäre, könnte man ja auch nochmal nachschauen, wie es dem Baby geht. Scheiß auf die 30 Euro extra! (Obwohl, muss man die zahlen bei einer Risikoschwangerschaft?) Wahrscheinlich werde ich mich einfach noch drei Wochen gedulden müssen, so wie alle anderen Schwangeren auch. Ist nur ganz schön schwierig, wenn man seinem Körper so rein gar nichts zutraut.
Heute in einer Woche ist die 12. Woche rum. Das war für mich eigentlich ein Etappenziel, ein Punkt an dem ich endlich das erste Mal laut aufatmen kann. Ich hab nur nicht dran gedacht, dass es ab da noch zwei weitere Wochen dauern wird, bis zur nächsten Untersuchung. Dazu kommt, dass ich gerade dabei bin meine Medikamente auszuschleichen. Das Progestan/Utrogest hab ich schon runtergefahren von 3x2 auf 1x1 und das Prednisolon (=Kortison) von einer anderthalben auf eine halbe Tablette am Tag. Bisher konnte ich noch keine körperliche Reaktion darauf feststellen. Aber das Absetzen vom Utrogest ist für mich bisher immer mit einer Blutung verbunden gewesen. Ist ja auch logisch, wenn es nicht geklappt hat, setzt man es ab und bekommt seine Regel. Eigentlich ist es Zeit diese Assoziation loszuwerden!
Mal ganz objektiv betrachtet, hab ich eigentlich keinen Grund zur Panik. Ich habe keine Blutungen und auch keine schlimmen Krämpfe. Der letzte Ultraschall war unauffällig und alles gut entwickelt. Ich habe sämtliche Schwangerschaftsbeschwerden, die man nur haben kann: mir ist schlecht, ich bin aufgebläht bis zum Magen, nachts bin ich unheimlich warm, um nicht zu sagen heiß, mein Ischiasnerv nervt, mein Dekolleté pickelt lustig vor sich hin, vier mal die Woche ein Heulkrampf ist auf jeden Fall drin und meine Brüste sind noch groß, wenn sie auch nicht mehr weh tun.
Nur leider hat eine Schwangerschaft ganz wenig mit Objektivität zu tun und die Hormone tun ihr Bestes, einen noch zusätzlich zu verwirren. Ein bisschen fühlt es sich an, als wäre man fremdgesteuert. Es ist dämlich, aber ich bin seit einer Woche auf der Suche nach einem guten Grund, vor unserem Berlinurlaub in zwei Wochen, nochmal zum Arzt gehen zu können. Es gibt keinen, was ja auch gut so ist. Aber wenn es doch nur ein kleines Brennen beim Wasserlassen gäbe, dann müsste ich ja zum Arzt und wenn ich schon einmal dort wäre, könnte man ja auch nochmal nachschauen, wie es dem Baby geht. Scheiß auf die 30 Euro extra! (Obwohl, muss man die zahlen bei einer Risikoschwangerschaft?) Wahrscheinlich werde ich mich einfach noch drei Wochen gedulden müssen, so wie alle anderen Schwangeren auch. Ist nur ganz schön schwierig, wenn man seinem Körper so rein gar nichts zutraut.
Montag, 30. März 2015
Die Daily Soap in meinem Bauch
Letzten Freitag sollte ich noch einmal zur Nachkontrolle bei meiner Frauenärztin. Das war mir ganz recht, da konnte ich nämlich gleich das Beschäftigungsverbot ansprechen. Aber erstmal war natürlich wichtig, dass es dem Kind gut geht. Soweit war auch alles in Ordnung auf dem Ultraschall. Das Herzchen konnten wir diesmal nicht nur sehen, sondern sogar mal kurz hören. Ich wusste gar nicht, dass das so zeitig schon geht und war fast ein bisschen überwältigt davon. Bei der Vermessung musste ich dann allerdings mal kurz schlucken. Mit 7,7 Millimetern, war es entwicklungsmäßig nicht bei 7+2, sondern bei 6+4, also fast eine Woche "hinterher". Meine Ärztin konnte mich beruhigen, das sei alles normal, ich solle mir keine Gedanken machen. Später hab ich nochmal nachgefragt, ob das wirklich okay ist und bekam die gleiche Antwort.
Wenn ich auch ein Ärzte-Autoritätsproblem habe, hab ich immerhin kein Problem damit, ihre Aussagen in Frage zu stellen und lieber Dr. Google zu fragen. Ich dumme Kuh! Ich musste leider lesen, dass so eine Rückdatierung nach einer IVF eigentlich kein gutes Zeichen sei, da der Tag der Befruchtung ja sehr eindeutig feststeht und es daran nichts zu rütteln gibt. Mein Schluss daraus: Unser Kind ist nicht zeitgerecht entwickelt, also wird es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht überleben! Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass mein Wochenende nicht besonders schön war. Am Samstag nach dem Aufstehen bekam ich einen nicht enden wollenden Heulkrampf, weil es mir im Flur zu kalt war, um Anziehsachen rauszusuchen. Mein Mann konnte sich das Lachen nicht verkneifen, was dazu führte, dass ich über mich selber lachen musste und gleichzeitig einen Heul- und einen Lachkrampf hatte. Dabei hockte ich in dramatischer Pose am Badezimmerschrank.
Heute morgen hatte ich erneut einen Termin bei meiner Frauenärztin, diesmal zur Blutentnahme und Impfausweiskontrolle. Als sie mich fragte, wie es mir geht, erzählte ich ihr von meinen Ängsten und der Verunsicherung bezüglich der Größe. Sie war wirklich sehr verständnisvoll und bot mir an, nochmal einen Ultraschall zu machen. Und siehe da: Das kleine Küken war plötzlich doch 1,33 cm groß und damit genau in der Zeit. Am Freitag hatte es sich wohl ein bisschen versteckt und war daher schlecht zu vermessen gewesen. Ich glaube, ich hatte innerhalb der ersten 8 Wochen inzwischen so viele Ultraschalls, wie andere in ihrer gesamten Schwangerschaft. Am Mittwoch kommt dann schon wieder einer, nämlich im Kinderwunschzentrum. Das ist dann unser Entlassungstermin dort und es klingt absurd, ich bin fast ein bisschen wehmütig, wenn ich daran denke. Trotzdem hoffe ich sehr, dass ich frühestens für ein Geschwisterchen wieder dort aufkreuzen muss.
Ansonsten nimmt die Übelkeit weiter zu. Egal wie groß die Portionen sind, die ich esse, nach spätestens einer Stunde habe ich wieder Hunger und wenn ich dann nicht gleich was zu beißen bekomme, kommt die Übelkeit. Dumm ist nur, dass ich auf wenige Sachen Appetit habe. Das einzige was sich konstant hält, ist mein Appetit auf einen frischen Burger und Pommes mit Mayo (Mayo darf ich nicht, ich könnte schon wieder heulen). Ich sollte wohl Instagram die nächsten Monate meiden, irgendwie nehmen die Burgerfotos da Überhand in letzter Zeit. Übergeben musste ich mich zum Glück noch nicht. Müde bin ich weiterhin, meine Haut zickt auch weiterhin rum und als ich heute in einer Zeitschrift die Beschreibung eines Wellnessurlaubsangebotes gelesen habe, hatte ich vor Rührung einen Kloß im Hals. Aber sonst geht's mir gut!
Dienstag, 24. März 2015
Immer Ärger untenrum!
Nach einigem Hickhack bin ich endlich wieder zuhause. Am Freitag hieß es ja, ich bleibe bis Montag. Am Montag hieß es dann: Dienstag. Heute war ich schon ganz zuversichtlich, denn ich war drei volle Tage blutungsfrei, hatte auch sonst keinerlei Beschwerden und wollte einfach nur nach hause.
Es ist ja mal ganz nett, wenn man sich um absolut gar nichts kümmern muss, das Essen fertig bis ans Bett gebracht wird und der Besuch alle möglichen Leckereien mitbringt. Aber so nach zwei Tagen fängt es an zu nerven. Ich war ja schonmal froh, dass die Schwangerschaftsmüdigkeit mir zumindest zu einigen Nickerchen verholfen hat. Trotzdem wird man irgendwann ganz irre im Kopf. Zumal ich dann seit gestern auch anfing, mir über die Kompetenz des Klinikpersonals Gedanken zu machen. Zuerst bekam ich eine Bettnachbarin. Zu allem Überfluss auch noch eine, die viel Redebedarf hatte, da sie gerade vor einer OP stand und so ihre Zweifel hatte, ob diese Klinik hier die richtige wäre. Ihr Arzt hätte ihr ausdrücklich eine Andere empfohlen, das Arztgespräch im Krankenhaus verlief auch eher suboptimal und die Anästhesistin hatte wohl auch Andeutungen gemacht, dass sie für diese Art der OP vielleicht doch besser woanders hingeht. Ich durfte also daran teilhaben, wie sie verzweifelt Argumente für und wider sammelte und riet ihr, einfach auf ihr Bauchgefühl zu hören. Es endete darin, dass sie sich nur eine Stunde später selbst entließ. Zugegeben, ich hab ihr das mit dem Bauchgefühl geraten, weil ich gerne vermeiden wollte, dass sie sich für das Krankenhaus entscheidet und ich dann den ganzen Nachmittag und Abend mit anhören muss, ob diese Entscheidung jetzt die richtige war oder nicht. Ja, ich bin fies, ich weiß. Kurz darauf bekam ich unerwarteten Besuch von einem Freund, der Arzt in diesem Klinikum ist, allerdings in einer anderen Abteilung. Von ihm hörte ich dann ebenfalls über gewisse Inkompetenzen in diesem Haus. Immerhin schonmal gut zu wissen, dass ich dort wahrscheinlich nicht entbinden werde.
Heute zur Visite wurde mir dann gesagt, dass der Ultraschall morgen wäre, heute dürfe ich ein bisschen im Zimmer rumlaufen und morgen dann auf dem Gang. "Bei der ersten Schwangerschaft muss man ein bisschen vorsichtig sein!", sagte die Oberärztin. Die andere Ärztin, die sich am Freitag so lieb um mich gekümmert hatte, schaute ein wenig irritiert und fragte dann nochmal: "Also die Untersuchung nun heute oder morgen?" Frau Oberärztin bestand auf morgen. Ich war total perplex und hatte direkt einen Kloß im Hals. Leider hab ich in solchen Momenten echt ein Autoritätsproblem. Ich kann Ärzten einfach nicht widersprechen. Dafür hab ich mich dann umso mehr bei meinem Mann darüber aufgeregt, dass jeden Tag ein anderer Arzt kommt und mir jeden Tag gesagt wird: Morgen dann! Und je länger ich darüber nachdachte, umso mehr wollte ich einfach nur noch weg.
Mein Mann kam dann und traf zufällig wieder auf die Ärztin vom Freitag. Als er sie darauf ansprach, lachte sie schon und erklärte sich bereit, später den Ultraschall zu machen und mich zu entlassen. Eine Stunde später saß ich schon in der Untersuchung. Auf dem Ultraschall konnte man ein kleines Hämatom erkennen, nichts Ungewöhnliches und eventuell die Ursache der Blutung. Eine der großen Zysten war bereits ein wenig geschrumpft, der Muttermund sah auch gut aus und dann wurde ich noch einmal belohnt mit einem wundervollen kleinen Wesen, dessen Herzchen ich schlagen sehen konnte. Und nun bin ich ganz verliebt in dieses kleine Ding, dass schon fast wie ein richtiger kleiner Mensch aussah. Zumindest konnte man Kopf und Körper eindeutig erkennen. Es ist einfach nur unglaublich, dass das gerade passiert. Die Vorstellung, dass da ein zweiter Mensch in mir wächst ist zugleich schön und total verstörend. Eigentlich wird mir sogar ein bisschen übel bei dem Gedanken. So richtig begreife ich das nicht. Noch vor ein paar Wochen war da nichts und jetzt ist da ein zweites Miniherz. Ob ich das jemals so richtig kapiere? Ich glaube nicht.
Eine Anekdote zum Thema "Typisch Krankenschwester" möchte ich euch zum Abschluss aber nicht vorenthalten:
Am Wochenende wollte mich meine Schwiegerfamilie besuchen kommen. Sie wussten allerdings nicht so richtig, wo sie genau hin müssen. Okay, ich hatte ausversehen Haus 4 statt Haus 1 gesagt und nun waren sie eben im Haus 4, der HNO-Abteilung. Meine Schwägerin sprach also eine Krankenschwester an, erklärte ihr kurz den Sachverhalt und bekam folgende Antwort:
"Na wennse untenrum was hat, wirdse ja wohl kaum hier liegen!"
Ja, ich hab untenrum was. Und es ist schön!
Freitag, 20. März 2015
Alles Gute zum Hochzeitstag!
Ja, theoretisch war heut ein schöner Tag geplant, aber wie das immer so ist mit Planungen. Vor ungefähr drei Stunden musste ich mal wieder meinem Harndrang nachgeben und noch bevor ich überhaupt dazu kam, meine Jogginghose nach unten zu ziehen, bemerkte ich ein paar Spritzer am Bein. Plötzliche Inkontinenz konnte ich ausschließen und es war wie befürchtet: Blut. Frisches Blut. Mein Mann rief sofort im Kinderwunschzentrum an, die uns ersteinmal beruhigen konnten. Ich solle einfach die Dosis Utrogest erhöhen und täglich 3 Mal Magnesium nehmen. Sollten die Blutungen schlimmer werden, bitte ins Krankenhaus.
Ok, ich also mit sehr gemischten Gefühlen wieder zurück auf die Couch und irgendwie versucht ruhig zu bleiben. Eine halbe Stunde später erneuter Harndrang und diesmal lief das Blut tatsächlich wie Wasser aus mir heraus. In dem Moment war mir klar, ich möchte sofort ins Krankenhaus! Die erste Person, die wir auf der Station antrafen, war eine sehr nette Ärztin, die uns gleich mitnahm und auch die Untersuchung durchführte.
Auf dem Ultraschall konnte man schön eine Vielzahl an verschieden großen Zysten sehen, dass meine Blase ziemlich voll war und, der Moment des Tages, dass der Embryo da ist, wo er sein soll! Und, zum allerersten Mal: den Herzschlag! Das war dann zumindest doch noch ein kleines (oder ziemlich großes) Geschenk zum 1. Hochzeitstag.
Trotzdem, ich muss nun für einige Tage im Krankenhaus bleiben mit strenger Bettruhe, denn auf die leichte Schulter nehmen, sollte man Blutungen nicht. Der Schreck sitzt nach wie vor tief und für mich als Panikmensch, ist das natürlich genau das Richtige! Aber ich denke, ich bin hier erstmal gut aufgehoben. In Krankenhäusern fühle ich mich zwar grundsätzlich unwohl, aber bisher waren alle sehr nett. Und ich bin (noch) allein in meinem Doppelzimmer. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt!
(Falls irgendwas komisch ist an diesem Eintrag, ich tippe am Handy, also entschuldigt!)
Ok, ich also mit sehr gemischten Gefühlen wieder zurück auf die Couch und irgendwie versucht ruhig zu bleiben. Eine halbe Stunde später erneuter Harndrang und diesmal lief das Blut tatsächlich wie Wasser aus mir heraus. In dem Moment war mir klar, ich möchte sofort ins Krankenhaus! Die erste Person, die wir auf der Station antrafen, war eine sehr nette Ärztin, die uns gleich mitnahm und auch die Untersuchung durchführte.
Auf dem Ultraschall konnte man schön eine Vielzahl an verschieden großen Zysten sehen, dass meine Blase ziemlich voll war und, der Moment des Tages, dass der Embryo da ist, wo er sein soll! Und, zum allerersten Mal: den Herzschlag! Das war dann zumindest doch noch ein kleines (oder ziemlich großes) Geschenk zum 1. Hochzeitstag.
Trotzdem, ich muss nun für einige Tage im Krankenhaus bleiben mit strenger Bettruhe, denn auf die leichte Schulter nehmen, sollte man Blutungen nicht. Der Schreck sitzt nach wie vor tief und für mich als Panikmensch, ist das natürlich genau das Richtige! Aber ich denke, ich bin hier erstmal gut aufgehoben. In Krankenhäusern fühle ich mich zwar grundsätzlich unwohl, aber bisher waren alle sehr nett. Und ich bin (noch) allein in meinem Doppelzimmer. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt!
(Falls irgendwas komisch ist an diesem Eintrag, ich tippe am Handy, also entschuldigt!)
Mittwoch, 18. März 2015
Ich habe heute leider kein Foto für dich! (Oder doch?)
Wieder eine Woche geschafft! Eigentlich hab mich mich ganz gut geschlagen gegen die Schwarzmalerei. Zumindest bis gestern. Da kam sie dann wieder und zwar doppelt und dreifach. Ich kann es einfach nicht abstellen. Dass ich im Reinsteigern schon immer ziemlich gut war, wusste ich, aber das hier nimmt langsam andere Dimensionen an. Jedenfalls dann pünktlich heute vorm Arzttermin ALLE Symptome weg. Schlagartig. Schön wäre gewesen, wenn auch die Pickel, die ich seit 4 Tagen habe, schlagartig weggewesen wären, aber ausgerechnet die sind geblieben. Vielen Dank auch!
Das Wartezimmer war natürlich wieder voll. Diesmal kamen wir auch nicht zur Lieblingsärztin, aber egal, Hauptsache endlich Ultraschall! Das Erste, was entdeckt wurde: mein übergroßer rechter Eierstock inklusive 8-Zentimeter-Zyste. Der Linke auch noch leicht vergrößert aber nicht ganz so schlimm. Das sind halt die Nebenwirkungen der ganzen Hormonspritzerei. Meine Gebärmutter war eigentlich kaum zu finden und ich verfiel wirklich schon wieder in leichte Panik, als dann doch endlich was zu sehen war. Dummerweise hab ich in dem Moment gar nicht mehr so richtig zugehört. Irgendwas mit Fruchthöhle und Dottersack und Anhang oder so. Mit Anhang dürfte wohl der Embryo gemeint gewesen sein. Ich weiß es wirklich nicht mehr, ich hab nur auf den Monitor gestarrt und war überrascht, dass sogar ich das sehen konnte und was das jetzt bedeutet. Außerdem war ich scharf auf den Ausdruck vom Bild, den ich dann auch bekam.
Hinterher wurde dann der Entbindungstermin ausgerechnet. Laut meiner Rechnung wäre der am 9. November. Aber ich hab ja auch keine Ahnung. Der Arzt errechnete den 11.11.15 und ich finde das klingt auch gut. Da ich dann eben heute doch nicht bei 6+2, sondern bei 6+0 bin, hat es mir auch gar nicht so viel ausgemacht, dass man noch kein Herzchen schlagen sehen konnte. Ist ja auch noch recht früh. Außerdem hat der Arzt gesagt, es wäre alles total zeitgerecht entwickelt. Der muss es ja wissen!
Nun heißt es zwei Wochen warten bis zum nächsten Termin. Zwei Wochen. Das ist ganz schön lang! Ich weiß noch nicht so genau wie ich das finde. Ich überlegs mir noch und sag euch später Bescheid.
Übrigens kamen zu hause dann alle Schwangerschaftsanzeichen wieder, genauso schlagartig, wie sie verschwunden waren. Schon seltsam dieser Hormonkörper.
Mittwoch, 11. März 2015
Der schwarze Punkt.
Die drei letzten Tage waren die Hölle. Ich kann nicht mal annähernd ausdrücken, wie es mir ging. Panik würde es wohl am ehesten beschreiben. Innerhalb einer Sekunde folgende Gedanken in meinem Kopf: "Ich merk gar nix mehr. Das wird eh nichts. Brüste tun noch weh. Aber weniger als gestern. Oh Gott, man wird nichts sehen auf dem Ultraschall. Was mach ich dann nur? Muss ich dort anfangen zu heulen? Oder vielleicht sieht man ja doch was. Unwahrscheinlich. Aber eigentlich möglich. Aber immer nur bei Anderen." Nach fünfeinhalb Jahren glaubt man einfach nicht mehr so richtig ans Glück.
Heute morgen war mir direkt noch übler als sonst. Das kam definitiv nicht vom HCG, das kam von der Angst. Und auch ausgerechnet heute mussten wir verhältnismäßig lange warten, bis wir zur Ärztin konnten. Zwischendurch machte mich innerlich alles aggressiv. Jedes Telefonklingeln, jeder lächelnde Mensch, jedes leise Husten und jedes Umblättern der Wartezimmerzeitschriften. Als wir aufgerufen wurden und ich sah, dass wir heute zu meiner (unserer?) Lieblingsärztin konnten (Gemeinschaftspraxis mit Zufallsprinzip), war ich irgendwie innerlich schon ein bisschen erleichtert. Ich hatte innerlich mit mir selbst gewettet, wenn wir heute bei ihr drankämen (die Chancen standen 1:3), wäre alles gut. Außerdem kann ich ihr schlechte Nachrichten nicht übel nehmen. Meine Nervosität wurde bemerkt und ich durfte direkt zum Ultraschall.
Und ja, es war tatsächlich etwas zu sehen. Ein kleiner schwarzer Punkt. Zugegeben, ich glaube nur ihn gesehen zu haben. Immerhin war die Ärztin sich sicher und die muss es ja schließlich wissen. Fotografieren lassen wollte sich der schwarze Punkt allerdings nicht so recht. Und er wollte auch noch nicht verraten, ob er vielleicht noch einen zweiten schwarzen Punkt versteckt. Nach dem Ultraschall jedenfalls erst mal große Erleichterung. Der erste Beweis, dass da etwas ist. Ich stehe auf Beweise!
Auf der Rückfahrt fiel mir dann plötzlich ein, dass ja auch Blut abgenommen wurde und ich eigentlich schon anrufen könnte. Mit einem Mal überkam mich dann doch wieder die Panik. Schwarzer Punkt schön und gut, aber wenn das HCG nicht richtig gestiegen ist, dann war es das! Vor lauter Panik fiel mir am Telefon fast nicht mehr mein Geburtsdatum ein. "Der Wert ist in Ordnung, das HCG ist ausreichend gestiegen." Nochmal Erleichterung.
Aber warte mal, "in Ordnung", "ausreichend"? Also in einem Arbeitszeugnis wäre das nicht so zufriedenstellend. Ja, da kommt er wieder, der ewige Pessimist und vermiest einem mit seinen dämlichen Zwischenfragen die ganze Freude.
Wie auch immer, ich gebe mir jetzt ganz viel Mühe, dem Pessimist in mir fiesestens in den Arsch zu treten und dazu streichel ich meinen schwarzen Punkt und hoffe, dass aus dem schwarzen Punkt am Ende kein schwarzes Loch wird.
Abonnieren
Posts (Atom)

