Naja gut, noch nicht ganz. Theoretisch sind es noch 40 Tage, wenn sie zu den 2-4% der Kinder gehört, die pünktlich zum Termin kommen. Meinetwegen könnte es ruhig schon ein bisschen eher losgehen, denn, abgesehen von den körperlichen Beschwerden, merke ich auch wie so langsam meine Ängste wieder etwas zunehmen. Bei der letzten Vorsorgeuntersuchung gab es zwar keinen Grund zur Besorgnis, trotzdem steckt die Angst einfach in mir, da kann ich mir wohl noch so oft irgendwelche statistischen Fakten einreden.
Wenn man nach den letzten Messungen von Montag geht, ist die Kleine jetzt ungefähr 47 cm groß und wiegt um die 2500 Gramm. Ich finde das klingt schon ganz schön nach fertigem Baby. 47 cm war die Größe meines Mannes, als er auf die Welt kam. Auf dem Ultraschall sah sie auch schon schön babyspeckig aus, wie ein richtiges Baby eben. Was ein bisschen auffällig war, war mein Muttermund, der schon leicht geöffnet ist. Das ist allerdings auch nicht weiter tragisch, ich soll einfach ein bisschen langsam machen, langes Gehen oder Stehen vermeiden und mich immer wieder hinlegen zwischendurch. Man könnte jetzt denken, und ich denke das eigentlich auch: Juhuuuu, offizielle Gammelerlaubnis! Leider ist das nicht ganz so einfach, wenn man schon so walrossig ist, denn viele bequeme Liegepositionen gibt's nicht mehr, eigentlich nur noch zwei und die sind irgendwann auch nicht mehr bequem, weil einem irgendwann die Hüfte unheimlich schmerzt. Abgesehen davon hab ich auch mit Sodbrennen zu kämpfen und da ist Liegen eher kontraproduktiv und kann dazu führen, dass man aufwacht, weil man sich an seiner Magensäure verschluckt. Fehlt nur noch, dass ich Wasser in den Füßen und Beinen bekomme und die dann noch hochlagern muss. Dann müsste ich wohl auf der Seite in V-Form liegen, oder mich entscheiden mit welchem Wehwehchen ich eher leben kann.
Ansonsten ist hier soweit alles vorbereitet, nur ein paar Kleinigkeiten fehlen noch. Ein bisschen wirkt das alles noch wie eine Kulisse auf mich, aufgebaut um so zu tun als ob. Mir fehlt ein wenig die Vorstellungskraft dafür, dass da tatsächlich in wenigen Wochen unsere Tochter einziehen wird und dem ganzen Zeug einen Sinn gibt. Und es macht mich unheimlich nervös aus so vielen Gründen, dass ich sie unmöglich hier alle aufzählen kann. Aber ich vermute, das ist etwas, das zumindest einige Mütter von ihren ersten Kindern noch kennen dürften.
Noch kurz zum Schluss: Vielen Dank an alle, die an Johanns Todes- und Geburtstag an uns gedacht haben, Johann Geschenke gemacht haben und ihn auf dem Friedhof besucht haben. Viel größer als vor den Tagen an sich, war meine Angst, dass niemand daran denken könnte und ich bin so erleichtert, dass dem nicht so war. Das hat mir (oder uns) diese Tage nicht nur erträglich gemacht, sondern auch irgendwie schön.
Mittwoch, 31. August 2016
Donnerstag, 18. August 2016
Ein trauriger Jahrestag.
Irgendwie ist es seltsam. Da habe ich in den letzten Wochen ganz oft an den morgigen Tag gedacht, Johanns Geburtstag, und dabei völlig vergessen, dass heute ein ebenso wichtiger Tag ist. Heute ist der Tag, an dem Johann in meinem Bauch eingeschlafen ist. Als mir das heut morgen klar wurde, musste ich erstmal ein paar Tränen vergießen. Aus Trauer, aber auch aus Ärger über mich selbst, dass mir das so untergegangen war. Heute, mit einem neuen Baby im Bauch, kommt es mir umso unvorstellbarer vor, was wir vor einem Jahr erlebt haben. Es ist ganz nah, total greifbar, aber gleichzeitig so weit weg, dass ich mich nur an wenige Dinge erinnern kann. Eines hab ich aber ganz genau im Kopf: Wie ich unter Beruhigungsmitteln in den Behandlungsraum gefahren wurde, mein Mann draußen sitzen bleiben musste und ich nur noch einen Gedanken hatte: "Wenn ich hier raus komme, ist Johann tot!"
Dass die Entscheidung damals die richtige war, ist mir immer noch klar. Dass eine richtige Entscheidung sich dennoch so falsch und schmerzhaft anfühlen kann, hätte ich nie für möglich gehalten. Unvorstellbar sich dafür zu entscheiden, dass das geliebte Wunschkind sterben soll. Sterben, weil die Alternative ein Leben voll von Schmerz und Leid gewesen wäre, ein Leben, das so oder so viel zu schnell wieder vorbei gewesen wäre, ein Leben, dass das Wort nicht wert gewesen wäre, so schlimm wie klingt.
Wenn ich mir heute ein Leben mit Johann vorstelle, ist er nicht krank. Er lacht, tobt, lernt wie alle anderen Kinder auch. Er ist glücklich, manchmal traurig oder wütend, hin und wieder tut ihm etwas weh. Aber nie, niemals muss er leiden. Fieber- und Hustensaft, ein Pflaster, tröstende Worte und Umarmungen machen alles wieder gut. Ich weiß, so wäre es nie gekommen, aber das Bild gefällt mir und ich möchte es behalten, genauso wie die Vorstellung, dass er ein ziemlich frecher Junge geworden wäre, mit einem Lachen, das ansteckt, so herzlich, dass einem warm ums Herz wird. Und wenn ich mir die Fotos von ihm anschaue, kann ich es deutlich sehen. Ich weiß, er wäre so geworden, hätte es diese furchtbare Krankeit nicht gegeben.
Dass die Entscheidung damals die richtige war, ist mir immer noch klar. Dass eine richtige Entscheidung sich dennoch so falsch und schmerzhaft anfühlen kann, hätte ich nie für möglich gehalten. Unvorstellbar sich dafür zu entscheiden, dass das geliebte Wunschkind sterben soll. Sterben, weil die Alternative ein Leben voll von Schmerz und Leid gewesen wäre, ein Leben, das so oder so viel zu schnell wieder vorbei gewesen wäre, ein Leben, dass das Wort nicht wert gewesen wäre, so schlimm wie klingt.
Wenn ich mir heute ein Leben mit Johann vorstelle, ist er nicht krank. Er lacht, tobt, lernt wie alle anderen Kinder auch. Er ist glücklich, manchmal traurig oder wütend, hin und wieder tut ihm etwas weh. Aber nie, niemals muss er leiden. Fieber- und Hustensaft, ein Pflaster, tröstende Worte und Umarmungen machen alles wieder gut. Ich weiß, so wäre es nie gekommen, aber das Bild gefällt mir und ich möchte es behalten, genauso wie die Vorstellung, dass er ein ziemlich frecher Junge geworden wäre, mit einem Lachen, das ansteckt, so herzlich, dass einem warm ums Herz wird. Und wenn ich mir die Fotos von ihm anschaue, kann ich es deutlich sehen. Ich weiß, er wäre so geworden, hätte es diese furchtbare Krankeit nicht gegeben.
Mittwoch, 20. Juli 2016
Ein Jahr - ein Rückblick
Ich kann es gar nicht richtig begreifen, aber ja, es ist nun schon genau ein Jahr her, dass wir in der Pränataldiagnostik saßen und uns der schlimme Verdacht mitgeteilt wurde. Und im Moment häufen sich solche Daten. Ich bin nun in der 29. Schwangerschaftswoche. Vor zwei Tagen war der Tag der Schwangerschaft, an dem ich Johann entbunden hatte, vor drei Tagen der, an dem er von uns gehen musste. Dass wir gerade im Urlaub sind, erinnert mich an unseren letzten Urlaub mit Johann. Gerade ist es einfach wirklich unglaublich nah und präsent und dass Johann bald seinen ersten Geburtstag hat, kommt mir mehr als unrealistisch vor.
In diesem Jahr ist viel passiert. Ich habe etwas überlebt, von dem ich nie dachte, dass ich das kann. Ich weiß noch, wie ich früher oft dachte: "Oh Gott, also wenn mein Kind stirbt, dann will ich auch sterben!" Ich war mir zumindest sicher, dass ich/man mich in diesem Falle einweisen lassen müsste. Das war nicht der Fall. Obwohl ich mich schon für eine eher wehleidige, schwache Person gehalten habe, konnte ich irgendwie dann doch die Ressourcen aufbringen, es so ziemlich unbeschadet zu überstehen. Wobei unbeschadet vielleicht das falsche Wort ist, denn einen Schaden hat es schon angerichtet. Die Narben werden bleiben und weiterhin von Zeit zu Zeit schmerzen, aber das ist okay, ich finde sogar, es wäre seltsam, wäre es nicht so.
Das Jahr hat mich auch verändert. Ich habe Seiten an mir kennengelernt, von denen ich vorher nichts wusste. Ich hatte keine Ahnung wie wütend ich sein kann. Auf ein Schicksal, dass fieser nicht hätte sein können. Auf Personen und Verhaltensweisen, die mir zusätzlichen Schmerz bereitet haben in einer Zeit, in der der Schmerz eh schon kaum zu ertragen war. Aber ich habe dadurch etwas Wichtiges gelernt, nämlich, nicht immer Allem und Jedem mit Verständnis und Nachsicht zu begegnen, schon gar nicht in solch einer Situation. Dadurch ist manch ein Eintrag hier entstanden (ich denke da besonders an einen), der sicher hätte diplomatischer ausgedrückt werden können. Dennoch, obwohl inzwischen Zeit verstrichen ist, kann ich sämtliche Gefühle als wäre es gestern gewesen, nachvollziehen und bin auch irgendwie froh darüber, es eben genau so geschrieben zu haben. Weil es echt ist. Weil es gut tut, es raus zu lassen. Weil ich nicht mehr der Mensch bin, der, egal wie schlecht es ihm geht, alles einfach schluckt nur um des Friedens Willen. Dass Anderen dafür das Verständnis fehlt - gut, damit kann ich leben. Allerdings dann auch sehr gut ohne die Person(en) in meinem Leben.
Was sich noch geändert hat, ist mein Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Ich war schon immer ein Mensch, der viel Zeit für sich brauchte, was möglicherweise auch ein bisschen beruflich bedingt ist. Wenn man sich den ganzen Tag den Mund fusselig redet, ständig irgendetwas schnell entscheiden muss und nicht mal auf der Toilette eine Minute Ruhe hat, weil vor der Tür schon wieder etwas mit Fäusten statt Worten geklärt wird, ist man einfach froh, wenn man nach hause kommt und den Rest des Tages mit sich selbst verbringen kann. Gut, nun war ich ja seit meiner Schwangerschaft mit Johann nicht mehr arbeiten, dieser Aspekt fällt also weg. Trotzdem haben sich meine sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß beschränkt. Und das lag nicht etwa daran, dass sich niemand mehr gemeldet hat, plötzlich Freunde "verschwunden" sind, wie man es ja öfter von Menschen in Krisensituationen hört. Ganz im Gegenteil. Ich hatte unglaublich viel Unterstützung, aus dem Weg gegangen wurde mir nicht. Vielleicht auch, weil ich es, wie meine Therapeutin sagt, anderen leicht mache mit mir umzugehen. Ich breche nicht plötzlich in Tränen aus, kann ganz normal darüber sprechen, man kann mich alles fragen und ich freue mich über jegliches Interesse an Johann und allem was damit zu tun hat. Warum die sozialen Kontakte abgenommen haben, lag vor allem Anderen an mir selber. Irgendwie hat es mich angestrengt und das ist auch heute noch so. Egal wie schön und unbeschwert ein Tag mit Familie/Freunden war, wenn ich nach hause komme, bin ich körperlich wie mental komplett im Eimer, zu nix mehr zu gebrauchen und wenn ich danach nicht mindestens einen kompletten Tag habe, den ich auf der Couch verbringen kann, völlig ohne Verpflichtungen, führt das dazu, dass ich unausstehlich werde, mir alles zu viel wird und das sind dann auch die Momente, in denen alles aus mir heraus platzt. Die Trauer sucht sich da irgendwie ihren Weg, bei mir über die Ausgelaugtheit nach sozialen Kontakten. Es wird langsam besser, aber wirklich nur sehr langsam und ich bin auch froh, dass ich momentan wenigstens nicht den Zwang habe, arbeiten gehen zu müssen, das würde mich vollends überfordern. Wie viel davon nun auch schwangerschaftsbedingt ist, weiß ich nicht, aber das spielt sicher mit rein.
Was mir in dem Jahr, besonders am Anfang, wirklich richtig gut getan hat, war die "Arbeit" mit den Flüchtlingskindern und in dem Zusammenhang das Zusammensein mit ein paar bestimmten Menschen, die mir einfach mit ihrer unglaublich herzlichen und liebevollen Art schon unheimlich geholfen haben. Und auch, wenn wir uns jetzt schon zum Teil länger nicht gesehen haben, möchte ich dafür mal Danke sagen! Genauso wie den vielen, eigentlich völlig fremden Menschen aus einem Internetforum, die mit einer riesigen finanziellen Hilfe letztes Jahr der Grund waren, warum unsere Feier für Johann so stattfinden konnte, wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich finde das immer noch überwältigend und alles andere als selbstverständlich. Meiner Familie und allen anderen Freunden, die uns auf welche Weise auch immer, unterstützt haben, hier auch noch einmal mein/unser Dank! Dass man so eine heftige Zeit durchstehen kann, ist eigentlich nur mit Unterstützung möglich und ich hoffe, wir können euch dafür irgendwie und irgendwann etwas zurück geben.
Die ein oder andere Person, die sich plötzlich aus meinem Leben entfernt hat, gibt es zwar ganz vereinzelt auch, aber dafür sind andere, tiefere Kontakte entstanden, die die Enttäuschung darüber ein bisschen mindern.
Nun steuern wir mit großen Schritten auf Johanns ersten Geburtstag zu und das wird sicher nochmal eine sehr schmerzhafte Zeit werden. Gleichzeitig freuen wir uns auf die Geburt unserer Tochter im Oktober. Diese Spannbreite an Gefühlen zerreißt mich manchmal förmlich. Derjenige, der das wohl am meisten zu spüren bekommt, ist mein Mann. Und wohl auch die einzige Person, die es schafft mich in solchen Momenten irgendwie wieder zusammenzupuzzeln. Dafür auch mal ein ganz großes Danke! Und, Achtung es wird kitschig: Ich liebe dich unheimlich!
In diesem Jahr ist viel passiert. Ich habe etwas überlebt, von dem ich nie dachte, dass ich das kann. Ich weiß noch, wie ich früher oft dachte: "Oh Gott, also wenn mein Kind stirbt, dann will ich auch sterben!" Ich war mir zumindest sicher, dass ich/man mich in diesem Falle einweisen lassen müsste. Das war nicht der Fall. Obwohl ich mich schon für eine eher wehleidige, schwache Person gehalten habe, konnte ich irgendwie dann doch die Ressourcen aufbringen, es so ziemlich unbeschadet zu überstehen. Wobei unbeschadet vielleicht das falsche Wort ist, denn einen Schaden hat es schon angerichtet. Die Narben werden bleiben und weiterhin von Zeit zu Zeit schmerzen, aber das ist okay, ich finde sogar, es wäre seltsam, wäre es nicht so.
Das Jahr hat mich auch verändert. Ich habe Seiten an mir kennengelernt, von denen ich vorher nichts wusste. Ich hatte keine Ahnung wie wütend ich sein kann. Auf ein Schicksal, dass fieser nicht hätte sein können. Auf Personen und Verhaltensweisen, die mir zusätzlichen Schmerz bereitet haben in einer Zeit, in der der Schmerz eh schon kaum zu ertragen war. Aber ich habe dadurch etwas Wichtiges gelernt, nämlich, nicht immer Allem und Jedem mit Verständnis und Nachsicht zu begegnen, schon gar nicht in solch einer Situation. Dadurch ist manch ein Eintrag hier entstanden (ich denke da besonders an einen), der sicher hätte diplomatischer ausgedrückt werden können. Dennoch, obwohl inzwischen Zeit verstrichen ist, kann ich sämtliche Gefühle als wäre es gestern gewesen, nachvollziehen und bin auch irgendwie froh darüber, es eben genau so geschrieben zu haben. Weil es echt ist. Weil es gut tut, es raus zu lassen. Weil ich nicht mehr der Mensch bin, der, egal wie schlecht es ihm geht, alles einfach schluckt nur um des Friedens Willen. Dass Anderen dafür das Verständnis fehlt - gut, damit kann ich leben. Allerdings dann auch sehr gut ohne die Person(en) in meinem Leben.
Was sich noch geändert hat, ist mein Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Ich war schon immer ein Mensch, der viel Zeit für sich brauchte, was möglicherweise auch ein bisschen beruflich bedingt ist. Wenn man sich den ganzen Tag den Mund fusselig redet, ständig irgendetwas schnell entscheiden muss und nicht mal auf der Toilette eine Minute Ruhe hat, weil vor der Tür schon wieder etwas mit Fäusten statt Worten geklärt wird, ist man einfach froh, wenn man nach hause kommt und den Rest des Tages mit sich selbst verbringen kann. Gut, nun war ich ja seit meiner Schwangerschaft mit Johann nicht mehr arbeiten, dieser Aspekt fällt also weg. Trotzdem haben sich meine sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß beschränkt. Und das lag nicht etwa daran, dass sich niemand mehr gemeldet hat, plötzlich Freunde "verschwunden" sind, wie man es ja öfter von Menschen in Krisensituationen hört. Ganz im Gegenteil. Ich hatte unglaublich viel Unterstützung, aus dem Weg gegangen wurde mir nicht. Vielleicht auch, weil ich es, wie meine Therapeutin sagt, anderen leicht mache mit mir umzugehen. Ich breche nicht plötzlich in Tränen aus, kann ganz normal darüber sprechen, man kann mich alles fragen und ich freue mich über jegliches Interesse an Johann und allem was damit zu tun hat. Warum die sozialen Kontakte abgenommen haben, lag vor allem Anderen an mir selber. Irgendwie hat es mich angestrengt und das ist auch heute noch so. Egal wie schön und unbeschwert ein Tag mit Familie/Freunden war, wenn ich nach hause komme, bin ich körperlich wie mental komplett im Eimer, zu nix mehr zu gebrauchen und wenn ich danach nicht mindestens einen kompletten Tag habe, den ich auf der Couch verbringen kann, völlig ohne Verpflichtungen, führt das dazu, dass ich unausstehlich werde, mir alles zu viel wird und das sind dann auch die Momente, in denen alles aus mir heraus platzt. Die Trauer sucht sich da irgendwie ihren Weg, bei mir über die Ausgelaugtheit nach sozialen Kontakten. Es wird langsam besser, aber wirklich nur sehr langsam und ich bin auch froh, dass ich momentan wenigstens nicht den Zwang habe, arbeiten gehen zu müssen, das würde mich vollends überfordern. Wie viel davon nun auch schwangerschaftsbedingt ist, weiß ich nicht, aber das spielt sicher mit rein.
Was mir in dem Jahr, besonders am Anfang, wirklich richtig gut getan hat, war die "Arbeit" mit den Flüchtlingskindern und in dem Zusammenhang das Zusammensein mit ein paar bestimmten Menschen, die mir einfach mit ihrer unglaublich herzlichen und liebevollen Art schon unheimlich geholfen haben. Und auch, wenn wir uns jetzt schon zum Teil länger nicht gesehen haben, möchte ich dafür mal Danke sagen! Genauso wie den vielen, eigentlich völlig fremden Menschen aus einem Internetforum, die mit einer riesigen finanziellen Hilfe letztes Jahr der Grund waren, warum unsere Feier für Johann so stattfinden konnte, wie wir uns das vorgestellt hatten. Ich finde das immer noch überwältigend und alles andere als selbstverständlich. Meiner Familie und allen anderen Freunden, die uns auf welche Weise auch immer, unterstützt haben, hier auch noch einmal mein/unser Dank! Dass man so eine heftige Zeit durchstehen kann, ist eigentlich nur mit Unterstützung möglich und ich hoffe, wir können euch dafür irgendwie und irgendwann etwas zurück geben.
Die ein oder andere Person, die sich plötzlich aus meinem Leben entfernt hat, gibt es zwar ganz vereinzelt auch, aber dafür sind andere, tiefere Kontakte entstanden, die die Enttäuschung darüber ein bisschen mindern.
Nun steuern wir mit großen Schritten auf Johanns ersten Geburtstag zu und das wird sicher nochmal eine sehr schmerzhafte Zeit werden. Gleichzeitig freuen wir uns auf die Geburt unserer Tochter im Oktober. Diese Spannbreite an Gefühlen zerreißt mich manchmal förmlich. Derjenige, der das wohl am meisten zu spüren bekommt, ist mein Mann. Und wohl auch die einzige Person, die es schafft mich in solchen Momenten irgendwie wieder zusammenzupuzzeln. Dafür auch mal ein ganz großes Danke! Und, Achtung es wird kitschig: Ich liebe dich unheimlich!
Samstag, 11. Juni 2016
Mal etwas Anderes.
Heute mag ich mal etwas ansprechen, das mir schon eine ganze Weile am Herzen liegt, eigentlich sogar schon seit ich mit Johann schwanger war.
Ich war noch nie jemand, der sich um seine Figur irgendeinen Kopf gemacht hat. Das lag wohl einfach daran, dass ich das Glück hatte, dem gängigen Figurideal zu entsprechen. Nun bin ich schwanger, ich nehme zu und mein Körper verändert sich, soweit ja alles völlig normal und gut. Was ich aber vollkommen unterschätzt habe, ist, dass der Körper einer Schwangeren plötzlich zum Objekt des Interesses sämtlicher Menschen um sie herum wird und welches Ausmaß das annimmt. Das geht soweit, dass einem (sogar fremde) Leute ungefragt an den Bauch fassen. Das blieb mir bisher zum Glück erspart, wohl, weil der Bauch noch nicht so riesig ist, aber fragt mal Frauen, die schon Kinder haben, die ein oder andere wird da sicher was zu erzählen wissen.
Mir geht es heute aber besonders um diejenigen, die denken, sie müssten meine Gewichtszunahme kommentieren, in einer respektlosen Art und Weise, dass mir meist keine passende Antwort dazu einfällt. In meiner Welt war das bisher nämlich einfach so, dass ich dachte, wenn man schwanger ist, nimmt man zu, is' halt so, das weiß doch jeder. Ich wusste nicht, dass man sich dann anhören muss, dass man "richtig dick" im Gesichtt geworden sei und einem "das Füllige" stünde. Ich würde eigentlich gern meine Lockerheit mit diesem Thema beibehalten. Ich bewerte Menschen nicht nach solchen Maßstäben und erwarte das auch von meiner Umwelt. Punkt. Das Problem ist aber, dass ich inzwischen selbst vor dem Spiegel stehe und denke: "Boah, voll fett ey!", obwohl ich weiß, dass meine Gewichtszunahme vollkommen im Rahmen liegt. Und das ärgert mich. Einerseits ärgere ich mich über mich selbst, weil ich die Kommentare nicht einfach überhören kann, obwohl ich es so gern möchte. Andererseits macht es mich wütend, dass sowas überhaupt gesagt wird. Man könnte ja auch einfach etwas Nettes sagen. Und nein, "das Füllige steht dir" ist nicht nett, sondern maximal ein Beispiel für "das Gegenteil von gut ist gut gemeint"! Und wenn einem nix Nettes einfällt, ist es auch nicht schlimm, dann sagt man eben gar nix oder redet übers Wetter.
Ich möchte auch nicht, dass nach der Geburt bewertet wird, wie schnell ich wieder "wie vorher" aussehe und was ich dafür tu oder lasse. Es geht schlichtweg niemanden etwas an. In den Wochen nach der Geburt kann es ja sogar ganz eventuell auch sein, dass man vielleicht andere Sorgen hat.
Wie auch immer, es musste einfach raus jetzt und ich hoffe echt, ich bleibe in nächster Zeit (gerne auch für immer) von solchen Kommentaren verschont. Ich mache mir schon so zu viele Gedanken bezüglich der Schwangerschaft, ich möchte nicht noch zusätzlichen Ballast (haha, Wortwitz) mit mir rumschleppen, nur weil irgendwer denkt, ich hätte zuhause weder Spiegel noch Waage. Wenn ich zu viel oder zu wenig zunehme und meine Ärztin gesundheitliche Bedenken äußert, ist das etwas Anderes. Alle Anderen möchte ich doch bitten, einfach ihre Klappe zu halten, wenn ihnen nix Besserers einfällt.
Ich war noch nie jemand, der sich um seine Figur irgendeinen Kopf gemacht hat. Das lag wohl einfach daran, dass ich das Glück hatte, dem gängigen Figurideal zu entsprechen. Nun bin ich schwanger, ich nehme zu und mein Körper verändert sich, soweit ja alles völlig normal und gut. Was ich aber vollkommen unterschätzt habe, ist, dass der Körper einer Schwangeren plötzlich zum Objekt des Interesses sämtlicher Menschen um sie herum wird und welches Ausmaß das annimmt. Das geht soweit, dass einem (sogar fremde) Leute ungefragt an den Bauch fassen. Das blieb mir bisher zum Glück erspart, wohl, weil der Bauch noch nicht so riesig ist, aber fragt mal Frauen, die schon Kinder haben, die ein oder andere wird da sicher was zu erzählen wissen.
Mir geht es heute aber besonders um diejenigen, die denken, sie müssten meine Gewichtszunahme kommentieren, in einer respektlosen Art und Weise, dass mir meist keine passende Antwort dazu einfällt. In meiner Welt war das bisher nämlich einfach so, dass ich dachte, wenn man schwanger ist, nimmt man zu, is' halt so, das weiß doch jeder. Ich wusste nicht, dass man sich dann anhören muss, dass man "richtig dick" im Gesichtt geworden sei und einem "das Füllige" stünde. Ich würde eigentlich gern meine Lockerheit mit diesem Thema beibehalten. Ich bewerte Menschen nicht nach solchen Maßstäben und erwarte das auch von meiner Umwelt. Punkt. Das Problem ist aber, dass ich inzwischen selbst vor dem Spiegel stehe und denke: "Boah, voll fett ey!", obwohl ich weiß, dass meine Gewichtszunahme vollkommen im Rahmen liegt. Und das ärgert mich. Einerseits ärgere ich mich über mich selbst, weil ich die Kommentare nicht einfach überhören kann, obwohl ich es so gern möchte. Andererseits macht es mich wütend, dass sowas überhaupt gesagt wird. Man könnte ja auch einfach etwas Nettes sagen. Und nein, "das Füllige steht dir" ist nicht nett, sondern maximal ein Beispiel für "das Gegenteil von gut ist gut gemeint"! Und wenn einem nix Nettes einfällt, ist es auch nicht schlimm, dann sagt man eben gar nix oder redet übers Wetter.
Ich möchte auch nicht, dass nach der Geburt bewertet wird, wie schnell ich wieder "wie vorher" aussehe und was ich dafür tu oder lasse. Es geht schlichtweg niemanden etwas an. In den Wochen nach der Geburt kann es ja sogar ganz eventuell auch sein, dass man vielleicht andere Sorgen hat.
Wie auch immer, es musste einfach raus jetzt und ich hoffe echt, ich bleibe in nächster Zeit (gerne auch für immer) von solchen Kommentaren verschont. Ich mache mir schon so zu viele Gedanken bezüglich der Schwangerschaft, ich möchte nicht noch zusätzlichen Ballast (haha, Wortwitz) mit mir rumschleppen, nur weil irgendwer denkt, ich hätte zuhause weder Spiegel noch Waage. Wenn ich zu viel oder zu wenig zunehme und meine Ärztin gesundheitliche Bedenken äußert, ist das etwas Anderes. Alle Anderen möchte ich doch bitten, einfach ihre Klappe zu halten, wenn ihnen nix Besserers einfällt.
Dienstag, 31. Mai 2016
Manchmal fällt mir keine passende Überschrift ein.
Der Bauch wächst und das ziemlich rasant. Irgendwie geht jetzt doch alles so schnell, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass wir ständig unterwegs und kaum zu hause sind. Manchmal wird mir das auch zu viel. Ich merk es oft, wenn wir dann wieder zu hause ankommen und ich wegen Kleinigkeiten heule und den Tag danach komplett verschlafe. Ob das nun an der Schwangerschaft liegt oder einfach an allem, was uns so innerhalb des letzten Jahres passiert ist, weiß ich nicht, aber ich komme sehr schnell an meine Grenzen. Dazu kam dann in den letzten zwei Wochen auch eine größere Anspannung, da uns ja wieder ein großer Organultraschall in der Pränataldiagnostik bevor stand. In den Tagen zuvor war es auch wieder ziemlich ruhig im Bauch, das hat nun nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mal ein bisschen gelassener werde. Als ich dann aber im Behandlungsraum auf der Liege lag, wurde wieder kräftig geboxt. Oder getreten? Ich kann das irgendwie noch nicht unterscheiden. Der Arzt war wie immer die Ruhe in Person und erklärte alles ganz genau. Selbst er, der eigentlich den ganzen Tag nix anderes macht, als zu schallen, war ganz verzückt, als die Kleine die Zunge rausstreckte, auf ihrer Hand herumkaute und am Ende nochmal "winkte". Was aber viel wichtiger ist: Es sieht alles gut aus und es gibt überhaupt keinen Anlass zur Sorge! Ende Juli dürfen wir nochmal kommen um ganz sicher zu gehen, dass sich am Herzen nicht doch noch etwas entwickelt hat, wie bei Johann damals, aber das hält der Arzt für nahezu ausgeschlossen.
So ganz langsam kann ich mich nun auch darauf einlassen. Ich merk's vor allem daran, dass ich am liebsten jetzt schon das Kinderzimmer her- und einrichten würde. Sogar ein Babybett ist schon bestellt wurde gerade geliefert, das wäre vor einem Monat noch undenkbar gewesen. Da dachte ich, ich will das alles erst, wenn das Baby da ist.
Und obwohl (oder gerade weil?) die neue Schwangerschaft nun so präsent ist, denk ich in letzter Zeit ganz oft darüber nach, ob ich auch für beide eine gute Mutter sein kann? Waren wir oft genug am Grab? Hab ich oft genug an Johann gedacht oder vernachlässige ich ihn? Klar ist er auch immer irgendwie "da" und egal wohin wir reisen, wir packen immer eine kleine Laterne und genügend Teelichter ein, dass nachts immer ein Licht für ihn brennt. Aber reicht das? Und wie wird ein Kind aufwachsen, das einen so besonderen großen Bruder hat? Welche Einstellung wird es mal zum Leben haben und zum Tod? Welche Einstellung hab ich eigentlich dazu?
Mittwoch, 11. Mai 2016
Fast-Halbzeit.
Nun sind schon wieder einige Wochen vergangen und die Zeit raste quasi an mir vorbei. Es gab immer irgendwas zu tun, wir waren viel unterwegs und nun bin ich plötzlich schon in der 19. Woche. Zwischendrin hatte ich mal ein paar Tage leichte Panik, weil ich das Kind nicht mehr gespürt hab. Aber als wir mit meinen Eltern im Musical saßen und die Musik losging, zappelte es dann doch wieder. Aus Prostest oder Begeisterung - man weiß es nicht!
Gestern hatten wir wieder Vorsorgetermin und ich war das allererste Mal gar nicht angespannt vorher. Ich war sogar gut drauf, obwohl ich sonst schon immer Tage vorher unausstehlich bin. Es war tatsächlich auch alles gut. Kein weißer Punkt am Herzen, keine Arrhythmien im Herzschlag und ein wunderbar vitales Kind (manch einer hat's vielleicht schon bei Instagram gesehen). Und eine Info, die uns natürlich ebenfalls interessiert hat: Es wird ein Mädchen! Johann bekommt also eine kleine Schwester. Irgendetwas sagt mir, dass ich bei einem "Jungs-Outing" nicht so glücklich reagiert hätte. Nicht, weil ich mich nicht darüber gefreut hätte. Es wäre nur einfach näher dran gewesen. So ist der "Abstand" größer, es gibt weniger Vergleichspotential. Das ist natürlich absolut subjektive Wahrnehmung und vielleicht auch schwierig zu erklären, denn im Grunde ist es mir/uns einfach wirklich komplett egal und es klingt so, als würde das der ersten Aussage widersprechen.
Mit Gefühlswirrwarr ging es dann am späten Abend auch weiter. Ich musste aus einem anderen, völlig nichtigen Grund, heulen und plötzlich brach einfach so viel aus mir heraus. Es war Erleichterung, aber auch Trauer und ja, ein schlechtes Gewissen. Wir hatten uns den ganzen Tag über die Neuigkeiten gefreut und schon hatte ich das Gefühl, ich könnte Johann damit verletzen, ihn hintenanstellen. Dieses Gefühl bleibt wohl auch noch ein bisschen und ich könnte mir vorstellen, dass es spätestens zur Geburt so richtig hochkocht. Ich hab so oft in den letzten Wochen den Satz "Jetzt wird alles gut!" gehört. Nein. Es wird nie wieder alles gut werden. Es wird besser, ja. Aber gut? Alles? Das geht gar nicht! Denn dann müsste Johann gesund sein, hier rumkrabbeln und uns anlachen. Das wird aber nie passieren, also kann auch nicht alles gut werden!
Trotzdem. Ich versuche die Schwangerschaft so normal wie möglich zu durchleben. Zum Schwangerschaftsyoga gehe ich nun auch wieder. Auch wenn es mir manchmal schwer fällt, zwischen all den "normal Schwangeren" zu sitzen, die darüber philosophieren, dass da ja heutzutage viel zu viel untersucht wird und man sich dann total verrückt macht, früher hätte es das auch nicht gegeben und es ging auch, ... Ich halte mich aus solchen Gesprächen grundsätzlich raus, zumindest erstmal. Wenn mich jemand fragt, werde ich aber ehrlich antworten. Trotzdem fühl ich mich in solchen Situationen irgendwie deplaziert und es macht mich einfach traurig, dass solche Geschichten wie die von Johann und den unzähligen anderen Sternenkindern für viele Menschen überhaupt nicht existent sind. Aber vielleicht ist das auch so ein ich-rede-mir-ein-dass-nix-passieren-kann-also-passiert-mir-auch-nix-Ding. Das, was wir alle haben. Mit schlimmen Krankheiten, mit Unfällen, ... Manchmal wünsch ich mir etwas von dieser Naivität zurück.
Gestern hatten wir wieder Vorsorgetermin und ich war das allererste Mal gar nicht angespannt vorher. Ich war sogar gut drauf, obwohl ich sonst schon immer Tage vorher unausstehlich bin. Es war tatsächlich auch alles gut. Kein weißer Punkt am Herzen, keine Arrhythmien im Herzschlag und ein wunderbar vitales Kind (manch einer hat's vielleicht schon bei Instagram gesehen). Und eine Info, die uns natürlich ebenfalls interessiert hat: Es wird ein Mädchen! Johann bekommt also eine kleine Schwester. Irgendetwas sagt mir, dass ich bei einem "Jungs-Outing" nicht so glücklich reagiert hätte. Nicht, weil ich mich nicht darüber gefreut hätte. Es wäre nur einfach näher dran gewesen. So ist der "Abstand" größer, es gibt weniger Vergleichspotential. Das ist natürlich absolut subjektive Wahrnehmung und vielleicht auch schwierig zu erklären, denn im Grunde ist es mir/uns einfach wirklich komplett egal und es klingt so, als würde das der ersten Aussage widersprechen.
Mit Gefühlswirrwarr ging es dann am späten Abend auch weiter. Ich musste aus einem anderen, völlig nichtigen Grund, heulen und plötzlich brach einfach so viel aus mir heraus. Es war Erleichterung, aber auch Trauer und ja, ein schlechtes Gewissen. Wir hatten uns den ganzen Tag über die Neuigkeiten gefreut und schon hatte ich das Gefühl, ich könnte Johann damit verletzen, ihn hintenanstellen. Dieses Gefühl bleibt wohl auch noch ein bisschen und ich könnte mir vorstellen, dass es spätestens zur Geburt so richtig hochkocht. Ich hab so oft in den letzten Wochen den Satz "Jetzt wird alles gut!" gehört. Nein. Es wird nie wieder alles gut werden. Es wird besser, ja. Aber gut? Alles? Das geht gar nicht! Denn dann müsste Johann gesund sein, hier rumkrabbeln und uns anlachen. Das wird aber nie passieren, also kann auch nicht alles gut werden!
Trotzdem. Ich versuche die Schwangerschaft so normal wie möglich zu durchleben. Zum Schwangerschaftsyoga gehe ich nun auch wieder. Auch wenn es mir manchmal schwer fällt, zwischen all den "normal Schwangeren" zu sitzen, die darüber philosophieren, dass da ja heutzutage viel zu viel untersucht wird und man sich dann total verrückt macht, früher hätte es das auch nicht gegeben und es ging auch, ... Ich halte mich aus solchen Gesprächen grundsätzlich raus, zumindest erstmal. Wenn mich jemand fragt, werde ich aber ehrlich antworten. Trotzdem fühl ich mich in solchen Situationen irgendwie deplaziert und es macht mich einfach traurig, dass solche Geschichten wie die von Johann und den unzähligen anderen Sternenkindern für viele Menschen überhaupt nicht existent sind. Aber vielleicht ist das auch so ein ich-rede-mir-ein-dass-nix-passieren-kann-also-passiert-mir-auch-nix-Ding. Das, was wir alle haben. Mit schlimmen Krankheiten, mit Unfällen, ... Manchmal wünsch ich mir etwas von dieser Naivität zurück.
Mittwoch, 6. April 2016
Kleine Tritte, große Schritte.
Die letzten Wochen waren der Horror. Abgesehen von meiner körperlichen (nein, die Übelkeit hört leider auch diesmal nicht mit der 12. Woche auf), war es doch auch die psychische Verfassung, die mir zu schaffen machte. Insgesamt eine sehr bescheidene Mischung. Die berühmten zwölf Wochen hatte ich schon vor mehr als einer Woche geschafft, aber anstatt wie andere Schwangere aufzuatmen, hab ich nur tief Luft geholt für den heutigen Tag und vor allem für die Zeit danach bis zum Testergebnis.
Als wir heute die Praxis für Pränataldiagnostik betraten, fühlte ich mich schlagartig in den letzten Sommer zurückversetzt und die sehr lange Wartezeit (etwas mehr als 2 Stunden waren es glaub ich) tat ihr Übriges. Der allerschlimmste Moment kam aber, als wir für wenige Minuten allein in dem Behandlungsraum saßen, in dem wir damals die schlechte Nachricht erhielten. Alles erinnerte daran, das Gefühl, mir würde ein ICE Kreise im Kopf fahren, war sofort präsent und ich musste mich wirklich schwer zusammennehmen und die Tränen unterdrücken, weil ich wusste, dass ich nicht mehr aufhören können würde. Zum Glück kam der Arzt recht bald um den Ultraschall zu machen. Zuvor fragte er uns allerdings mehrmals, ob wir die Chorionzottenbiopsie wirklich machen möchten. Wir bejahten das, woraufhin er uns überraschenderweise davon abriet. Da Johann eine Spontanmutation hatte und wir beide genetisch unauffällig seien, wäre die Gefahr einer Komplikation durch die Untersuchung wesentlich höher als die Gefahr, dass diese Mutation noch einmal auftritt, diese wäre nämlich "gleich null". Irgendwie war ich zuerst ganz schön baff und hab mich seltsam gefühlt. Was das bedeutet, wurde mir nur langsam klar, es hat irgendwie gar nicht in meinen Kopf gepasst. Es war ungefähr so, als hätte man mir versucht beizubringen, Bananen wären blau, wo ich doch weiß, dass sie gelb sind. Ich konnte irgendwie nur "Ja, okay, schön." sagen, wohl wenig überzeugend.
Es folgte ein halbstündiger Ultraschall, den wir, wie bei Johann damals auch, auf einem großen Bildschirm mitverfolgen konnten. Wieder so ein Flashback, Tränen unterdrücken!
Es ist schon erstaunlich, dass man bei einem sieben Zentimeter kleinen Menschlein schon alles so genau erkennen kann. Es wurde wirklich jedes Organ und Körperteil haargenau angeschaut, vermessen, beobachtet, aufgenommen und auch kommentiert. (Manchmal nicht ganz so einfach, denn es war anscheind gerade Spielzeit!) Das Ergebnis unterstrich die Aussage des Arztes nur noch: Ein völlig unauffälliges Baby, besser geht's eigentlich nicht! Also würde eine Chorionzottenbiopsie auch in Hinblick auf andere Chromosomenstörungen überhaupt keinen Sinn ergeben. Jetzt war ich endlich überzeugt. Das Angebot sowohl in der 20. als auch in der 26. Woche noch mal einen solchen Ultraschall machen zu lassen, einfach zur Beruhigung, haben wir trotzdem gerne angenommen.
Unerwartet erleichtert haben wir also heute die Praxis verlassen und nun hoffe ich ganz sehr, dass ich die Schwangerschaft endlich richtig genießen kann. Passend dazu habe ich gestern das erste Mal ein kleines Zappeln im Bauch bemerkt. Wahrscheinlich wollte mir jemand sagen: "Ich bin hier und alles ist in Ordnung! Schau was ich schon kann!"
Ich weiß, dass uns ganz viele Menschen die Daumen drücken, dass viel an uns gedacht und mitgefiebert wird. Vielen Dank dafür! Ich hab auch in den letzten Wochen unheimlich viele Nachrichten auf sämtlichen"Kanälen" bekommen, die ich noch immer nicht beantwortet habe, was an meinem desolaten Zustand lag. Ich verspreche, dass ich alles beantworten werde in den nächsten zwei Wochen, denn die Übelkeit verringert sich gerade auf ein halbwegs erträgliches Maß und ich hoffe, dass das jetzt auch so bleibt!
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